Richter legt den $1,5-Milliarden-Vergleich von Anthropic zur Buchpiraterie wegen Bedenken auf Eis
Großer Vergleich eines KI-Unternehmens vorerst auf Eis gelegt: Faire Verhandlungen oder versteckte Absichten?
Der $1,5-Milliarden-Deal des KI-Unternehmens Anthropic zur Besänftigung einer Gruppe US-amerikanischer Autoren ist ins Stocken geraten. Dieser bedeutende Vergleich, der Vorwürfe ausräumen soll, das Unternehmen habe seine KI-Modelle anhand urheberrechtlich geschützter Bücher trainiert, wird derzeit einer eingehenden rechtlichen Prüfung unterzogen. Warum? Offenbar hält ein Bundesrichter die Transparenz und Fairness des Vergleichs für fragwürdig und ist der Ansicht, dass die Situation einer zweiten Prüfung bedarf.
Ein genauerer Blick auf Sammelklagen und Urheberrechte
Schauen wir uns einmal an, wie es dazu gekommen ist. Bei einer kürzlich stattgefundenen Anhörung hat kein Geringerer als Richter William Alsup seine Zustimmung zu dem Vergleich zurückgehalten. Seine Begründung? Die Befürchtung, dass eine weitgehend nicht offengelegte Vereinbarung die Waage möglicherweise zu Ungunsten der Autoren kippen könnte. Berichte aus Bloomberg Law und die Associated Press Zitierte ihn mit den Worten, dass den Autoren der Vertrag ohne angemessene Vorwarnung oder Zustimmung aufgezwungen werden könnte. Das klingt nicht gerade so, als hätten sie einen Platz am Verhandlungstisch bekommen, oder?
Zuvor hatte das Gericht Anthropic Recht gegeben und entschieden, dass das Training von KI-Modellen anhand legal erworbener Bücher als „fair use“ eingestuft werden könne. Dennoch deckt dieser Sieg möglicherweise nicht alle Fälle ab, sodass Anthropic in Fällen, in denen möglicherweise nicht autorisiertes Material verwendet wurde, weiterhin einem Haftungsrisiko ausgesetzt ist. Dieser nun gescheiterte Vergleich war darauf ausgelegt, genau diese spezifischen Ansprüche zu regeln und den betroffenen Autoren und Verlagen eine finanzielle Entschädigung zu bieten.
Apropos Erleichterung: Sollte der Vergleich genehmigt werden, könnte die Auszahlung an die Autoren bei etwa $3.000 pro Werk liegen. Bei rund 465.000 Büchern, die von dieser Kontroverse betroffen sind, wäre die Gesamtsumme nicht gerade Kleingeld. Richter Alsup wünscht sich jedoch eine genauere Erfassung der Anzahl der betroffenen Werke. Seine Bedenken beziehen sich auch auf das mögliche Aufkommen neuer Klagen, falls der Vergleich nicht klar genug formuliert wäre und die betroffenen Parteien nicht angemessen informiert würden.
Der Weg in die Zukunft und anhaltende Zweifel
Interessanterweise wurde die Skepsis des Richters nicht von allen begrüßt. Maria Pallante, Geschäftsführerin der Association of American Publishers, war der Ansicht, dass die Haltung des Richters auf einem Missverständnis der Dynamik der Verlagsbranche beruhte. Ihr Argument lautet, dass Sammelklagen Streitigkeiten beilegen und nicht neue auslösen sollten. Dennoch versichern die Rechtsvertreter der Autoren, wie beispielsweise Rechtsanwalt Justin Nelson, ihr Engagement dafür, dass jeder berechtigte Anspruch angemessen entschädigt wird.
Wie sieht es mit der Zukunft des Vergleichs aus? Richter Alsup plant, sich im Rahmen einer Anhörung am 25. September erneut damit zu befassen. Bis dahin steht die Vereinbarung auf der Kippe. Seine zwiespältige Haltung gegenüber der gesamten Situation brachte er mit den Worten zum Ausdruck: “Wir werden sehen, ob ich die Nase rümpfen und dem Abkommen zustimmen kann.” Man kann mit Sicherheit sagen, dass weiterhin Zweifel an der Fairness und der Umsetzung dieses Abkommens bestehen.
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