Die Zukunft der Werbung nach einem KI-Verkehrs-Coup
Wir befinden uns mitten in einer Suchrevolution
Die Suche ist nicht mehr das, was sie einmal war. Vor nicht allzu langer Zeit bedeutete die Suche nach Informationen, ein paar Schlüsselwörter in Google einzugeben und sich durch ein Meer von Website-Links zu wühlen. Heute stellen große Sprachmodelle - die Maschinen hinter ChatGPT oder Google Gemini - diese Routine auf den Kopf. Wenn Sie jetzt eine Frage eingeben, werden Sie oft von einer von der KI erstellten Zusammenfassung oder einer direkten Antwort begrüßt, was es seltsamerweise leicht macht, das offene Web überhaupt nicht mehr zu besuchen. Diese Veränderung ist nicht nur eine Frage der Bequemlichkeit, sondern zieht auch die Grenzen für Verlage und das Internet im Allgemeinen neu.
Wenn die KI das Steuer übernimmt: Wer kriegt den Verkehr?
Einige der größten Namen der Online-Publizistik - wie The Verge, TechCrunch und The Guardian - haben etwas Beunruhigendes bemerkt: Der suchmaschinengestützte Datenverkehr nimmt ab, und zwar schnell. Ein Zufall? Vielleicht, aber der Zeitpunkt passt zum Aufstieg der künstlichen Intelligenz als erste Anlaufstelle für Informationen. Anstatt Sie zum Lesen eines vollständigen Artikels zu schicken, liefern Chatbots komprimierte Antworten, manchmal mit wenig oder gar keinem Link zurück. Für Verlage, die jahrelang ihre Google-Strategien perfektioniert haben, ist dies mehr als nur ein Einbruch der Zahlen; es ist eine existenzielle Bedrohung. Jetzt geht es darum, mit KI-Giganten zu verhandeln oder für eine erstklassige Platzierung zu bezahlen.
Werbung in Ihrer Chatbox: Eine neue Art der digitalen Beeinflussung
Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass die meisten KI-Chats erfrischend werbefrei sind? Diese Ruhe könnte nicht lange anhalten. Die Gespräche hinter den Kulissen sind eindeutig: OpenAI und Google tüfteln an Möglichkeiten, Einkaufsvorschläge und sogar persönliche Daten in die KI-Monetarisierung einzubinden, während Google bereits Werbung in seine KI-generierten Zusammenfassungen einbaut. Stellen Sie sich vor, Sie chatten mit Ihrem Assistenten über Reisetipps oder Gesundheit und wissen nicht, ob seine Ratschläge gesponsert oder aufrichtig sind. Forscher warnen: Was wäre, wenn Ihr Chatbot während eines sensiblen Gesprächs über psychische Gesundheit ein Markenmedikament vorschlägt - nicht weil es am besten ist, sondern weil es bezahlt wird?
Native Ads sind gerade deshalb so effektiv, weil sie so unaufdringlich sind. In einem Chatbot kann die Grenze zwischen hilfreichem Rat und Produktplatzierung fast verschwinden. Für die Nutzer bedeutet das, dass ihr Vertrauen stillschweigend ausgenutzt werden könnte; für Werbetreibende ist es eine Goldgrube. Und wenn Werbetreibende anfangen, Ihre Gespräche für Micro-Targeting zu nutzen, könnten wir uns auf eine weitere Runde von Datenschutzskandalen gefasst machen, die an die Kontroversen um Cambridge Analytica erinnern. Im Gegensatz zu Streaming-Diensten, bei denen wir Werbung im Austausch für Inhalte tolerieren, sind KI-Assistenten persönlich und interaktiv - was die Abwägungen sehr viel komplizierter macht.
Das Dilemma der Verleger: Partner oder Konkurrenten?
Anstatt sich dagegen zu wehren, verhandeln einige Verlage mit Unternehmen der generativen KI über Inhalte. Ein Beispiel dafür ist die Vereinbarung zwischen OpenAI und NewsCorp, die ihren Modellen den Zugriff auf Artikel des Wall Street Journal ermöglicht. Das verspricht kurzfristige Vorteile und vielleicht auch ein paar Einnahmen - aber es gibt einen Haken: Dieselben KI-Tools könnten irgendwann genug von den Inhalten der Verlage lernen, um zu deren Konkurrenten zu werden. Das Lizenzabkommen von heute könnte die Blaupause für die Ablösung von morgen sein.
Die meisten KI-Plattformen begrüßen es nicht gerade, wenn Menschen weggeschickt werden. Externe Links werden ausgeblendet, minimiert oder erfordern ein paar zusätzliche Klicks, um sie zu erreichen. Dadurch bleiben die Nutzer in ihrem Ökosystem und machen Websites, die auf eingehenden Datenverkehr angewiesen sind, das Leben schwer. Während die Frustrationen zunehmen, beobachten die Regulierungsbehörden das Geschehen: Wenn KI-Suchtools beginnen, bestimmte Webquellen gegenüber anderen zu bevorzugen, werden mit Sicherheit kartellrechtliche Bedenken aufkommen. Solange es keine Aufsicht gibt, bleiben die Verlage in der Schwebe - sie kämpfen um ein bisschen Aufmerksamkeit in einer Welt, die schnelle, zusammengefasste Antworten bevorzugt.
Wer entscheidet, was wahr ist?
Das alles läuft auf Vertrauen hinaus. Wir debattieren bereits darüber, ob große Nachrichtensender von Werbekunden oder ihrer eigenen Agenda beeinflusst werden. Wenn der nächste Filter ein KI-Modell ist, das sowohl auf seriöse als auch auf fragwürdige Quellen trainiert ist und möglicherweise von den Interessen der Werbetreibenden beeinflusst wird, könnte sich unser Blick auf die Welt auf subtile Weise verändern. Wenn sich nur die größten Verlage KI-Partnerschaften leisten können, besteht die Gefahr, dass kleinere Stimmen völlig untergehen.
Da KI zur Standardschnittstelle für Wissen wird, durchläuft jede Information letztlich mehrere Filter: die Quelle, den Algorithmus, den Werbetreibenden. Jeder Schritt birgt die Möglichkeit der Verzerrung. Was wir morgen lesen, wird nicht nur davon abhängen, was wahr ist, sondern auch davon, wessen Interessen durch die KI gefiltert werden, die für das Erzählen der Geschichte zuständig ist.