Die Modewelt ist ein endloses Karussell, in dem Trends schneller kommen und gehen, als wir mit den Augen blinzeln können. Das führt dazu, dass wir verzweifelt versuchen, Schritt zu halten, und mehr ausgeben, als wir eigentlich müssten, um eine Garderobe zu unterhalten, die immer noch im Trend liegt. Aber haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, welche Auswirkungen das auf unsere Umwelt hat? Die Modeindustrie verursacht eine erschreckend hohe 92 Millionen Tonnen Textilabfälle pro Jahr. Wäre es nicht toll, wenn es eine Möglichkeit gäbe, unsere Modewahl immer wieder neu zu gestalten, ohne dass dies zu einer solchen Verschwendung führt?
Hier kommt „Refashion“ ins Spiel, ein innovatives Softwaresystem, das von Forschern des Computer Science and Artificial Intelligence Laboratory (CSAIL) des MIT und von Adobe entwickelt wurde. Indem es Kleidungsstücke in austauschbare Komponenten zerlegt, dient es als flexible Plattform, die kreative und umweltfreundliche Modeentscheidungen fördert. Stellen Sie sich Ihre Garderobe als riesiges Lego-Set vor, bei dem jeder Baustein ein Teil eines Outfits darstellt. Sie können diese Bausteine zu einem Hemd zusammenbauen, sie dann wieder auseinandernehmen und zu einem Kleid oder einem anderen Kleidungsstück umbauen, das Ihren täglichen Bedürfnissen entspricht.
Rebecca Lin, die kreative Kraft hinter “Refashion” und Doktorandin am Fachbereich Elektrotechnik und Informatik des MIT, erklärt: „Wir wollten Kleidungsstücke entwerfen, bei denen die Wiederverwendung von Anfang an berücksichtigt wird. Die meisten Kleidungsstücke, die man heute kauft, sind unveränderlich und werden weggeworfen, wenn man sie nicht mehr möchte. Refashion hilft uns hingegen dabei, Kleidungsstücke zu entwerfen, die sich leicht in der Größe anpassen, reparieren oder umgestalten lassen.“ Diese Idee von flexiblen, wiederverwendbaren Modestücken klingt doch großartig, oder?
Beim Entwerfen von Outfits beginnen die Nutzer mit einer Rasteroberfläche im sogenannten “Pattern Editor”-Modus. Hier zeichnen Sie rechteckige Stoffbahnen und legen fest, wie diese miteinander verbunden werden. Man hat die Freiheit, ganz von vorne anzufangen oder vorhandene Vorlagen wie T-Shirts, Blusen oder Hosen anzupassen. Interessante Anpassungsmöglichkeiten ermöglichen es, Falten, Puffärmel oder eine maßgeschneiderte Passform an Taille oder Oberkörper in die Entwürfe einzubauen. Und das Beste daran: Diese Komponenten lassen sich mit benutzerfreundlichen Verbindungselementen wie Klettverschluss, Metalldruckknöpfen oder Nieten befestigen. Sobald Sie Ihr Design fertiggestellt haben, erstellt Refashion eine leicht verständliche Schnittzeichnung und ermöglicht Ihnen eine Vorschau darauf, wie das Kleidungsstück an verschiedenen Körpertypen aussehen wird.
Doch Refashion geht noch weiter: Die App verspricht, unsere Sichtweise auf unsere Garderobe grundlegend zu verändern. Stellen Sie sich vor, Sie verwandeln Ihren Schal in eine Mütze für einen neuen Look oder Ihr schlichtes T-Shirt in eine schicke Jacke – die Möglichkeiten sind endlos. Damit wird das Konzept der “Shopping-Therapie” völlig neu definiert und erhält eine ganz neue Dimension!
Das Refashion-Team will sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen und arbeitet bereits daran, die Software zu verbessern und inklusiver zu gestalten. Es prüft die Einführung langlebigerer Materialien und geschwungener Stoffbahnen und untersucht zudem Möglichkeiten, Stoffabfälle zu reduzieren und im Handel gekaufte Kleidung upzucyclen. Lin stellt sich eine weitere Personalisierung durch die Einbeziehung von Farben, Texturen und Patchwork-Techniken vor. Dies könnte bedeuten, Kleidungsstücke aus recyceltem Denim, gehäkelten Blöcken oder dekorativen Stoffresten zusammenzusetzen.
Refashion birgt laut Adrien Bousseau, einem leitenden Forscher am Inria-Zentrum der Université Côte d’Azur, enormes Potenzial. Er ist der Ansicht, dass Refashion, indem es die Änderung von Kleidungsstücken von Grund auf fördert, einen bedeutenden Fortschritt auf diesem Gebiet darstellt. Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern von Adobe Research entwickelt und von verschiedenen renommierten Institutionen unterstützt. Vor kurzem stellten sie ihre Arbeit auf dem ACM-Symposium für Benutzeroberflächen-Software und -Technologie vor. Wenn Sie sich etwas eingehender mit „Refashion“ befassen möchten, lesen Sie den Originalartikel unter MIT-Nachrichten.
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