Siemens intern: CEO Roland Busch über KI, Automatisierung und die Zukunft der globalen Industrie

Siemens: Die Welt durch seine stille Wirkung antreiben

Weit entfernt von den bekannten Giganten wie Apple oder Google agiert Siemens unauffällig im Hintergrund und prägt mit seiner Technologie unseren Alltag. Von den Gebäuden, in denen wir wohnen und arbeiten, über die Autos, die wir fahren, bis hin zu den Fabriken, in denen sie hergestellt werden – die innovative Technologie von Siemens ist untrennbar mit der Infrastruktur des modernen Lebens verflochten. Roland Busch, Vorstandsvorsitzender von Siemens, gab kürzlich in einem Interview mit Decoder.

Siemens: Ein Erbe der Neuerfindung und Automatisierung

Seit seiner Gründung vor über 170 Jahren hat sich Siemens kontinuierlich weiterentwickelt und spiegelt damit die Geschwindigkeit wider, mit der sich die Technologie verändert. Gegenwärtig steht der Wandel im Zeichen der Digitalisierung und der künstlichen Intelligenz. Während die Tochtergesellschaften Siemens Healthineers und Siemens Energy ziemlich selbsterklärend sind, umfasst das Hauptgeschäft von Siemens ein breiteres Spektrum. Laut Busch treibt Siemens andere Unternehmen dazu an, ihr Geschäft zu transformieren. Das Unternehmen bietet Technologien von digitalen Zwillingen über Automatisierungssoftware bis hin zu intelligenter Infrastruktur.

Während Siemens für die Automatisierung der physischen Welt – Fabriken, Züge, Gebäude – bekannt ist, geht Busch davon aus, dass das Unternehmen den Schritt in die Automatisierung der digitalen Welt wagen wird. Dazu gehört die Digitalisierung von Entscheidungsprozessen, beispielsweise in den Bereichen Beschaffung und Buchhaltung. Mithilfe von KI hat Siemens mit einer tiefgreifenden Integration in seine Plattformen begonnen, um eine vollautomatisierte Fabrik zu realisieren – eine Fabrik, die nicht nur Güter produziert, sondern sich anhand digitaler Eingaben auch in Echtzeit selbst optimiert.

Angesichts seiner riesigen Unternehmensstruktur mit weltweit 320.000 Mitarbeitern ist Siemens in vier Hauptgeschäftsbereiche unterteilt: Digital Industries, Smart Infrastructure, Siemens Mobility und Siemens Healthineers. Obwohl jede Sparte über eine eigenständige Gewinn- und Verlustrechnung verfügt, stellt sich Siemens mit Programmen wie “ONE Tech” schrittweise auf ein horizontal integriertes Modell um. Dieser Ansatz baut Barrieren ab, um spartenübergreifende „Netzwerke“ für Technologie, Vertrieb und Daten zu schaffen.

Busch ist sich des kulturellen Wandels bewusst, der mit einer solchen Veränderung einhergeht. Während er für KI und Automatisierung plädiert, betont er auch die Wertschätzung für jeden Mitarbeiter, unabhängig von seiner Funktion. Seine Vision ist es, zu modernisieren, ohne auszugrenzen, und den Fokus gleichmäßig auf traditionelle Hardware und moderne Entwicklungen zu verteilen.

Siemens: Anpassung an die globale Landschaft und Zukunft

Unternehmen wie Siemens, die von der Globalisierung mit ihren Hauptstandorten in Deutschland, den USA, China und Indien profitiert haben, sind nun gezwungen, sich inmitten zunehmender geopolitischer Spannungen und Handelsbarrieren weiterzuentwickeln. Wie Busch hervorhebt, bereitet sich Siemens auf die Lokalisierung von Produktion und Beschaffung vor, insbesondere in sensiblen Bereichen wie Halbleitern. Obwohl das Unternehmen den Freihandel immer noch befürwortet, ist es auf eine Welt vorbereitet, in der der Freihandel schwinden könnte.

Ein weiterer heikler Aspekt der Vision von Siemens ist die Rolle der Automatisierung im Hinblick auf die Beschäftigung. Busch räumt ein, dass vollautomatisierte Fabriken mehr Produktion mit weniger Personal bedeuten. In Gesellschaften, die wie Deutschland und Japan zunehmend altern, ist dies jedoch nicht unbedingt ein Nachteil. Die verfügbaren Arbeitskräfte können in gefragte Bereiche wie das Gesundheitswesen und die Sozialdienste umgeschichtet werden.

Neben der Automatisierung von Maschinen entwickelt Siemens auch KI-Agenten, die Probleme in der Fertigung überwachen, diagnostizieren und sogar beheben können. Anhand umfangreicher Daten werden generische große Sprachmodelle für optimale Genauigkeit im industriellen Einsatz feinabgestimmt. Um Vertrauen aufzubauen und den Datenaustausch für diese Modelle zu erleichtern, hat sich Siemens mit Maschinenbauern zusammengeschlossen. Solche Kooperationen, die auf gegenseitigem Vertrauen und den langjährigen Beziehungen von Siemens basieren, ermöglichen eine effektive Nutzung gemeinsamer Daten.

Busch, der potenzielle Risiken nicht übersehen will, nennt Szenarien wie eine mögliche Störung der NATO oder eine bedeutende geopolitische Krise in Taiwan, um nur einige zu nennen. Siemens baut proaktiv Flexibilität in seinen Betrieb ein und entwickelt Software, die je nach Land auf unterschiedlichen LLMs funktionieren kann. Dieser durchdachte Ansatz erhöht die Widerstandsfähigkeit gegenüber unvorhergesehenen Instabilitäten.

Was die Zukunft von Siemens angeht, ist Busch zuversichtlich, dass das Unternehmen die Kluft zwischen der digitalen und der physischen Welt mithilfe von KI und Digital-Twin-Technologie überbrücken wird. Das Ziel ist es, sich als Branchenführer im Bereich der industriellen KI zu etablieren und Kunden wie PepsiCo sowie Logistikunternehmen bei der Transformation ihrer groß angelegten Betriebsabläufe zu unterstützen. Doch über seine beruflichen Ambitionen hinaus bekennt sich Siemens trotz des Trends zu Nationalismus und Handelsbarrieren weiterhin zur globalen Zusammenarbeit. Buschs Optimismus gründet auf einem verantwortungsvollen und inklusiven Einsatz von Technologie zur Lösung globaler Probleme – unabhängig von deren Größe oder Umfang. “Wir können sie nicht lösen, wenn wir uns zu sehr einschränken”, betont er, “also denken wir in größeren Dimensionen.”

Für ein tieferes Verständnis hören Sie sich das vollständige Interview auf Decoder.

Max Krawiec

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Max Krawiec

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