Perplexity, das auf KI basierende Websuchunternehmen, das um eine ähnliche Stellung wie die Google-Suche ringt, steht erneut im Kreuzfeuer der Kritik. Nun sind es die „Encyclopedia Britannica“ und ihre Tochtergesellschaft „Merriam-Webster“, die die Vorwürfe vorbringen. Die am 10. September bei einem Bundesgericht in New York eingereichte Klage wirft Urheberrechts- und Markenrechtsverletzungen vor und schlägt damit ein weiteres Kapitel in Perplexitys immer länger werdendem Buch der rechtlichen Probleme auf.
Im Mittelpunkt der Klage steht die Behauptung, dass die KI-“Antwort-Engine” von Perplexity Inhalte von den Websites von Britannica und Merriam-Webster missbräuchlich verwende. Vorwürfe des ‘Scrapings’, der Umleitung von Web-Traffic und der unbefugten Vervielfältigung urheberrechtlich geschützter Inhalte hagelt es nur so. Ein direkter Vergleich der Antworten von Perplexity mit den Definitionen von Merriam-Webster scheint wortwörtliche Übereinstimmungen aufzuzeigen – eine Grenze, die nach Ansicht der Kläger bereits in offensichtliches Plagiat übergeht.
Leider für Perplexity beschränken sich die Bedenken nicht nur auf das Urheberrecht. Britannica wirft Perplexity zudem vor, seine Markenrechte zu missbrauchen. Die KI-Lösung versieht offenbar unvollständige oder ungenaue Antworten mit den Bezeichnungen “Britannica” oder “Merriam-Webster”, was Nutzer irreführen und den Ruf dieser angesehenen Marken schädigen könnte. Britannica betrachtet dies als einen eindeutigen Fall von Markenrechtsverletzung.
Die Tatsache, dass dies nicht die erste Auseinandersetzung zwischen Perplexity und den Urhebern von Inhalten ist, sorgt für Aufregung. In der Vergangenheit haben Schwergewichte wie Forbes, die New York Times und die BBC dem Unternehmen vorgeworfen, Originalinhalte ohne angemessene Quellenangabe zu reproduzieren. Um noch mehr Öl ins Feuer zu gießen, hat News Corp, die Muttergesellschaft des Wall Street Journal und der New York Post, im Oktober 2024 eine unheimlich ähnliche Klage gegen Perplexity angestrengt.
Als ob all das nicht schon genug wäre, wurde Perplexity auch noch des “Stealth Crawling” beschuldigt, einem Trick, mit dem Standard-Webprotokolle umgangen werden, die zur Abwehr von nicht autorisierten Bots eingerichtet wurden. Diese fragwürdige Praxis, die Berichten zufolge in der KI-Branche auf dem Vormarsch ist, entfacht eine wichtige Debatte über die ethische Verwendung von Webdaten für das Training umfangreicher Sprachmodelle und die Unterstützung von KI-Lösungen.
Positiv zu vermerken ist jedoch, dass für Perplexity nicht alles nur düster aussieht. Trotz der zunehmenden rechtlichen Turbulenzen zieht das Unternehmen weiterhin namhafte Investoren an, darunter Amazon-Gründer Jeff Bezos. Zudem ist es ihm gelungen, Partnerschaften mit mehreren Medienunternehmen einzugehen. Renommierte Publikationen wie das „Time“-Magazin und die „Los Angeles Times“ haben sich für das Programm zur Aufteilung der Werbeeinnahmen von Perplexity angemeldet. In ähnlicher Weise nutzt die „World History Encyclopedia“ die Technologie für einen von Perplexity betriebenen Chatbot, der den Nutzern dabei hilft, die akademischen Inhalte zu durchforsten.
Der Rechtsstreit zwischen Britannica und Merriam-Webster legitimiert nur den eskalierenden Streit zwischen KI-Entwicklern und Eigentümern von Inhalten. Da KI-Tools immer leistungsfähiger und allgegenwärtiger werden, war die Diskussion darüber, wem die von ihnen erzeugten oder nachgeahmten Inhalte gehören, noch nie so relevant wie heute. Im Zentrum dieser Debatte steht derzeit Perplexity, das mit einem weiteren Rechtsstreit zu kämpfen hat, der die Zukunft der KI-generierten Suche bestimmen könnte.
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